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Reussen in Siebenbuergen - Das Dorf mit dem schiefen Turm
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Letzte Änderung:
July 04. 2017 16:15:59

Historisches


Bis 1424 gehört Reussen zur Hermannstädter Probstei. Nach ihrer Auflösung durch König Sigismund und Schenkung ihrer Güter an die Stadt gehörte auch Reussen zu den Adelsbesitzungen Hermannstadts. Später schließt sich Reussen kirchlich, zusammen mit den Dörfern der Kaltwasser Surogation, an das Schelker Kapitel an. Im 18. Jahrhundert untersteht unser Dorf, mit anderen Ortschaften, dem Hermannstädter Magistrat. Alle diese Gemeinden verfügen über eigene Gerichtsbarkeit. Das Reussener Dorfgericht wird 1541 erwähnt und besteht aus Richter, Hann und Geschworenen. 1947 wird Reussen der Nachbargemeinde Stolzenburg unterstellt und ist seit diesem Jahr "nur noch" ein Dorf.

1580 verleiht der Stellvertreter des zum König von Polen gewählten Fürsten Stephan Báthory, Christoph Báthory, den Zehnten von Reussen dem Königsrichter Albert Huet. Anfang des 18. Jahrhunderts ist der Sachsengraf Sachs von Harteneck Zehntnießer von Reussen.
Im 19. Jahrhundert verpachtet die Stadt Hermannstadt die ihr von Reussen zustehenden Einkünfte an den bekannten Buchhändler und Buchdrucker Martin von Hochmeister.

Wappen von reussenDie regen Beziehungen zu Hermannstadt zeigen sich auch im Wappen unseres Dorfes, welches dem von Hermannstadt sehr ähnlich sieht. Das Wappen trägt eine Krone als Zeichen, daß das Dorf dem König untertan war, ein Schwert im Kreise der Jägerwelt und drei Seerosenblätter.
1584 hat Reussen unter den damaligen Durchzügen der Tataren, Kosaken, Moldauer und Türken in den Tökölischen Unruhen sehr viel gelitten. 1703 plündern die Truppen Rakoczis unser Dorf. Es wird vermutet, daß während des Kurutzenkrieges Reussen jahrelang wüst (verlassen) war. Während der Pest von 1718 starben 27 Männer. Im Zweiten Weltkrieg sind 33 Männer gefallen bzw. vermißt, weitere 33 verblieben in westlichen Ländern und nur 35 kehrten nach Hause zurück.

Am 13. Januar 1945 wurden 98 Sachsen nach Rußland zur Zwangsarbeit verschleppt. 16 Personen starben in der Deportation, 16 wurden in die ehemalige DDR abgeschoben und 66 kamen nach Hause.

Reussner Kirche


Unser Glockenturm wurde 1749 erbaut. Nach dem Erdrutsch von 1858 neigte er sich gegen Nordost-Osten, heute beträgt seine Neige 145 cm. Die Kirche wurde dreimal neu aufgebaut: das zweite Mal 1636, das dritte Mal, eine Saalkirche, 1782. Die letzte große Renovierung fand 1986 statt.


Altar von Reussen
Der Altar stammt aus dem Jahre 1651, die Orgel wurde 1805 vom Orgelbauer Melchior Achs gebaut, das Taufbecken 1865 vom Petrus Hihn (Hausnummer 383) gestiftet. Das Pfarrhaus wurde 1804 erbaut. Die alte Schule wurde 1839 gebaut, die neue Schule zusammen mit dem Gemeindesaal 1908 und die Kanzlei im Jahre 1909. Die rumänische Bevölkerung baute ihre erste orthodoxe Kiche 1830, den Glockenturm 1955 und die zweite Kirche 1980. Die erste rumänische Schule wurde Ende des 19. Jahrhunderts, die zweite 1934 errichtet.
Die ältesten Häuser sind vermutlich die vom Hof Nummer 383 - aus dem Jahre 1585, vom Hof Nummer 80 - mit der Jahreszahl 1796, und das Haus vom Hof Nummer 76.


Bevölkerung:
1572 hatte Reussen 690 sächsische Seelen mit 138 Wirten: 1691 - 72 Wirte; 1750 - 161 Wirte; 1820 - 177 Wirte; 1850 lebten im Dorf 510 und 1901 - 536 Sachsen; 1930 hatte Reussen eine Bevölkerung von 1291 Seelen, davon 565 Sachsen; 1989 lebten 325 Sachsen im Dorf und 1995 nur noch 20. 1698 werden die ersten Rumänen, als Siedler aus Gebirgsdörfern zugewandert, erstmals erwähnt. 1712 gab es 32 rumänische Siedler im Dorf, 1820 sind es 117 und 1880 schon 438. 1930 leben 630 Rumänen im Dorf und 1995 vermutlich doppelt so viele. 1750 werden erstmals 9 Zigeuner, als ehemalige Leibeigene adliger Familien von Hermannstadt erwähnt. Darunter der Zigeuner Baran, Leibeigener der vor 1700 geadelten Familie aus Reussen, Georg Reissener von Reissenfels.

Der erste bekannte Pfarrer von Reussen ist Michael (1441), der erste Lehrer Johannes Kekel (1578), der erste bekannte Richter Michael Trasch (1469), der letzte sächsische Hann (1918) Michael Binder (vom Hof Nummer 58).

Wirtschaft: Im 17. Jahrhundert hatte Reussen 1030,5 Joch Acker und ein Vermögen von 11327 Fl. Im Jahre 1720 gaben die 334,33 Viertel Weinberge 10299 Krüge Wein. Anfang des 20. Jh. wurden die Weinberge von der Reblaus vernichtet. Ende des Zweiten Weltkriegs gab es noch 10 Hektar Weinberge. Bis 1945 waren, mit wenigen Ausnahmen, alle Dorfbewohner selbstständige Bauern. Nach Kriegsende wurden die Sachsen enteignet und aus ihren Häusern vertrieben. Sie lebten danach, manche fast fünf Jahre lang, in den ihnen zugewiesenen Häusern der Rumänen.

Die Reussener haben um ihren Grund und Boden kämpfen müssen und so mit den Nachbargemeinden langjährige Prozesse geführt. 1469 ist der erste Streit wegen einer Mühle am Weißbach mit Haschagen beurkundet. Auch mit der Nachbargemeinde Wassid gab es immer wieder Streit. Der längste Streit wegen der "Hattertgrenze", der über 400 Jahre dauerte, führte unser Dorf mit der Nachbargemeinde Stolzenburg.


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